zur Liste   Druckversion 

FNP vom 27.11.13 - Sarah Sorge stellt Aktionsplan Schulbau vor

Sarah Sorge stellt „Aktionsplan Schulbau“ vor
Von Julia Lorenz
Bildungsdezernentin Sarah Sorge (Grüne) hat gestern Abend im Römer den langersehnten Aktionsplan Schulbau vorgestellt. Rund 240 Schulleiter, Lehrer, Eltern und Politiker hörten zu. Die Meinungen waren gespalten: Während die einen froh waren, in dem Investitionsprogramm vorzukommen, ärgerten sich die anderen.
Frankfurt.
Es ist der große Abend von Sarah Sorge (Grüne): Zum ersten Mal stellt die Bildungsdezernentin den seit vier Monaten erarbeiteten „Aktionsplan Schulbau“ Schulleitern, Eltern, Lehrern, Ortsbeiräten und Stadtverordneten im Plenarsaal des Römers vor. Rund 240 Interessierte sind gekommen. Die Nervosität ist Sarah Sorge und ihrem Team zunächst anzusehen. Doch während der Rede, in der sie die Herausforderungen im Bereich der Schulsanierungen, die in den vergangenen Jahren getätigten Investitionen und die steigenden Schülerzahlen abarbeitet, wirkt Sorge wie eine routinierte Politikerin.
Von Nervosität keine Spur mehr. Der Aktionsplan, mit dem in den nächsten fünf Jahren 150 Millionen Euro in Sanierungen, Reparaturen und Erweiterungen gesteckt werden sollen, sei „ein starkes Symbol“. „Wir lassen die Schulen nicht im Stich“, betont Sorge. Rund 45 Minuten spricht die Stadträtin. Keine Zwischenrufe. Kein Klatschen. Nur nach der Rede: verhaltener Applaus.

„Lächerlich“ nennt Reinhold Dallendörfer, Schulleiter der Schwanthalerschule, den Aktionsplan. Die Hauptschule in Sachsenhausen ist zwar in dem Investitionsprogramm berücksichtigt, allerdings nur mit der Deckensanierung. Die langersehnte Sanierung der Metallwerkstatt, die seit Jahren nicht genutzt werden kann, ist nicht abgebildet. „Wenn man einer Hauptschule die Werkstatt nimmt, ist das, als ob man einer Musikschule den Flügel verwehrt“, so Dallendörfer.

Auch Rainer Koch, Lehrer an der Georg-August-Zinn-Schule in Griesheim, ist nicht angetan. Die Integrierte Gesamtschule findet keine Berücksichtigung. „Der Sanierungsstau ist ein Dauerbrenner und wird es auch bleiben. Die Politiker brauchen nicht glauben, dass das Thema nach fünf Jahren vorbei ist.“ Dennoch begrüßt er die Transparenz, die mit der Liste, in welche Schule wann investiert werden soll, geschaffen wird. „Das war dringend notwendig.“
Ulrike Brauser von der Otto-Hahn-Schule (Nieder-Eschbach) hingegen ist froh, „dass es überhaupt eine Perspektive gibt, weil Schule Perspektive ist“. Jetzt müssten nur noch Details ausgearbeitet werden. Diese benötigt Kornelia Girg, Leiterin der Kerschensteinerschule in Hausen, nicht mehr. Die Grundschule bekommt endlich eine neue Turnhalle. „Wir sind glücklich“, sagt Girg. „Jetzt sind wir nur gespannt, ob auch wirklich noch in diesem Jahr mit dem Bau begonnen wird.“
Gespannt ist auch Stefan von Wangenheim, bildungspolitischer Sprecher der FDP. Gespannt, wie die erarbeitete Grundlage nun umgesetzt wird. Überzeugt ist er von der Liste allerdings nicht: „Die war sicherlich eine Fleißarbeit, aber im Grund steht nicht drin.“ So harte Worte will Silvia Weber von der SPD nicht finden. „Wir sind einen Schritt weiter“, sagt sie. „Der Aktionsplan ist ein großer Erfolg für die Schulen, Lehrer und Eltern, die immer wieder demonstriert haben.“
Alix Puhl, Vorsitzende des Stadtelternbeirates, ist nach dem Vortrag von Sarah Sorge noch sichtlich in Gedanken – die sie aber noch nicht so recht in Worte fassen kann. Nur so viel: „Frau Sorge hat betont, dass der Aktionsplan ein Anfang ist. Wenn sie das ernst meint, ist alles gut.“ Jetzt sei ein Anfang gemacht. „Besonders gut finde ich auch, dass die Kommunikation mit Schulen und Eltern beigehalten werden soll“, so Puhl. „Wenn alle im Gespräch bleiben, dann ist das sogar das Beste an der Entwicklung.“ Frederick Michalke, Vorsitzender des Stadtschülerrates, sagt: „Heute ist ein Rahmen gesetzt worden, mit dem man weiterarbeiten kann. Aber den Versprechungen müssen jetzt auch Taten folgen.“
Artikel vom 27.02.2014, 03:30 Uhr (letzte Änderung 27.02.2014, 07:46 Uhr)
Nachvollziehbarer, aber nicht schneller
Frankfurt.
Die gestrige Informationsveranstaltung für Schulen, Elternvertreter, Stadt- und Stadtteilpolitiker war der Höhepunkt von Sarah Sorges Werbewoche für ihren „Aktionsplan Schule“ und die „neue Transparenz“ in Sachen Schulsanierung. Heute wird die grüne Bildungsdezernentin beides noch einmal in der Stadtverordnetenversammlung darlegen. Deren Okay zum 150 Millionen Euro schweren Nachtragshaushalt für den Aktionsplan gilt als sicher. Neben der schwarz-grünen Koalition hat auch die SPD ihre Zustimmung angekündigt.
Mit den neuen „Steckbriefen“ für alle allgemeinbildenden und beruflichen Schulen haben Schulamt und Dezernat erstmals eine Übersicht vorlegt, welche aufzeigt, was an den Schulhäusern zu tun ist und wann mit der Abarbeitung zu rechnen ist. Vier Rubriken sind die entscheidenden in jedem Steckbrief: Erledigt seit 2005 – anstehende Aufgaben – davon schon im Haushalt oder Aktionsplan berücksichtigt (plus voraussichtlicher Baubeginn) – noch gar nicht terminierte Maßnahmen. Alles, was unter dem letzten Punkt landet, ist nicht priorisiert. Diese Vorhaben sind nicht automatisch auf die lange Bank geschoben. Es kann auch sein, dass es dazu noch keine finanzielle und zeitliche Einordnung gibt.
Halbjährlich, so das Versprechen der Stadträtin, würden diese Angaben aktualisiert. Stehen neue Haushalte an, rücken Schulen nach. Tauchen neue Notfälle auf, müssen andere wieder warten. . . Unter der Internetadresse www.frankfurt.de/schulen sind die Steckbriefe ab sofort einsehbar. Wem die Informationen dort nicht reichen, kann sich an eine neue Service-Hotline wenden: (0 69) 21 24 04 10.
Auch eine E-Mail-Adresse direkt ins Amt wurde eingerichtet (aktionsplan-schulen.amt40@stadt-frankfurt.de).
Nachvollziehbarer soll nun also das Baugeschehen an Frankfurts Schulen vonstatten gehen. Schneller wird es davon nicht unbedingt. Dafür sorgt schon das Verfahren, nach dem sich das Dezernat seine nächsten Bauvorhaben vom Stadtparlament genehmigen lassen muss. Um nicht ständig teure Überraschungen zu erleben, verlangt dieses seit einigen Jahren sehr genaue Kostenschätzungen. Solche zu erstellen, kostet aber bereits Geld. Also muss das Dezernat zuerst Haushaltsmittel für die Kostenberechnung eines Sanierungsprojekts beantragen, dann eine Entwurfsplanung erstellen und die fällige Bausumme erneut im Römer absegnen lassen. Bis zu sechs Jahre kann diese Prozedur dauern, bevor tatsächlich der Baubeginn ansteht. „Darüber werden wir jetzt diskutieren müssen“, kündigte Sorge gestern an.
Diskutieren will sie auch in Wiesbaden. Noch vor der heutigen Plenarsitzung absolviert Sorge ihren Antrittsbesuch beim hessischen Bildungsminister Alexander Lorz (CDU). Mitbringen will ihm die Frankfurterin „einen Wunschzettel“: „Wir müssen zusätzliche Schulen errichten. Aber ich glaube nicht, dass wir das allein aus kommunalen Mitteln stemmen müssen und können.“
(Inga Janovic)
Artikel vom 27.02.2014, 03:30 Uhr (letzte Änderung 27.02.2014, 02:52 Uhr)

Info:
Viele Baustellen
Frankfurt steht in Sachen Schule vor einer Mammutaufgabe. Der millionenschwere Sanierungsstau ist nur ein Teil davon. Dieser ist auch deshalb so groß, weil zeitgleich die Schulhäuser aus der Gründerzeit und die Nachkriegsbauten zu Sanierungsfällen geworden sind. Doch neben den vielen Reparaturen braucht die Stadt dringend mehr und größere Schulhäuser. Mindestens sechs Grundschulen und ein Gymnasium müssten in den nächsten zehn Jahren neu entstehen, dazu bestehende Einrichtungen erweitert werden. Denn Frankfurt wächst, allein im Grundschulalter werden jährlich 400 Kinder mehr gezählt. Mehr Raum brauchen die einzelnen Schulen auch, weil der Wandel hin zum Ganztagsbetrieb mehr Kapazitäten für Nachmittagsbetreuung, Essensversorgung etc. fordert. Auch der Grundsatz der Inklusion erhöht den Raumbedarf. Bei all dem nicht zu vergessen ist die technische Ausrüstung, die in den Gebäuden nachzurüsten wäre. Zuvorderst ist da der Anschluss der Klassen ans Internet zu nennen. ing
Artikel vom 27.02.2014, 03:30 Uhr (letzte Änderung 27.02.2014, 07:40 Uhr)

Datum:  09.03.2014
eingestellt von:


angefügte Links:

angefügte Dateien:

 zur Liste   Druckversion